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Plastikmüll in Meer unverändert

Ein Forscherteam des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel hat einen Fund aus der Tiefsee untersucht und anschließend festgestellt, dass sich Plastikmüll nach rund 20 Jahren im Wasser kaum verändert. Bei der Datierung kam den Wissenschaftlern ein Zufall zu Hilfe.

Forscher haben in der Tiefsee eine rund 20 Jahre alte Quarkpackung und eine ähnlich alte Mülltüte gefunden – beide waren trotz der Jahrzehnte im Wasser noch wie neu. Es habe sich gezeigt, „dass weder die Tüte noch die Quarkpackung Zeichen von Fragmentierung oder sogar Abbau in ihre Bestandteile aufwiesen“, sagt der Biochemiker Stefan Krause vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Der Fund, über den ein Team um Krause im Fachjournal „Scientific Reports“ berichtet, biete erstmals einen fundierten Anhaltspunkt über das Schicksal von Plastik auf dem Tiefseeboden.

Ökosystem durch künstliche Lebensräume gefährdet

Bei der Analyse der Kunststoffe fiel den Wissenschaftlern auch auf, dass auf den Verpackungen eine andere Mikrobengemeinschaft siedelte als am Meeresboden der Umgebung. „Die Mikroben kommen alle im Tiefseeboden vor. Aber offenbar könnten größere Ansammlungen von Kunststoff lokal für eine Verschiebung im Verhältnis der vorherrschenden Arten sorgen“, sagt Krause. Damit könne Plastikmüll auf dem Meeresboden künstliche Lebensräume schaffen und so die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gefährden.

Zeit für eine vollumfängliche Produkthaftung

Die Industrie und Wirtschaft kann längst auf nachhaltige Produktionsweisen zugreifen. Allerdings liegen keine Anreize dafür vor. Profite generieren, jedoch weder für die Schäden bei der Rohstoffgewinnung, Produktherstellung und Wiederverwendung zwingende Verantwortung zu übernehmen, wird ein Thema der Zukunft sein.

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