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Die Maske fällt

Die Superreichen, die globalen Oligarchen, werden immer reicher und entfernen sich immer weiter von der Gesellschaft, die sie zugleich immer mehr kontrollieren.

von Christian Kreiß

Immer weniger Menschen besitzen immer mehr Reichtum. Diese globale Entwicklung hält an und wird durch die Coronakrise noch befördert. Das zeigt eine neue Analyse aus dem Versicherungskonzern Allianz. Er belegt einen Trend, der die Reichen nicht nur immer weiter von der Gesellschaft entfernt. Für diese wird die Entwicklung immer gefährlicher — weil diese superreichen Oligarchen zugleich immer mehr Macht anhäufen. Mit ihren Milliarden kaufen sie sich die Politik — längst nicht mehr nur in einzelnen Ländern, sondern auch global. Die Coronakrise und die sie auslösenden politischen Maßnahmen beschleunigen diesen Weg in eine globale Finanzdiktatur. Die Reste der Demokratie stören dabei nur und werden beiseite geräumt.

Am 23. September 2020 erschien die jüngste Ausgabe des jährlich veröffentlichten Allianz Global Wealth Report. Der Bericht des größten deutschen Versicherungskonzerns, der sich mit den weltweiten in Privatbesitz befindlichen Vermögensentwicklungen beschäftigt, ist in mehrerer Hinsicht interessant.

Eine der ersten Überschriften der Studie lautet: „Crisis? What Crisis?“ Darin heißt es, dass Covid-19 zwar die tiefste Rezession in 100 Jahren ausgelöst habe, dass dies aber keine negativen Auswirkungen auf die Privatvermögen gehabt habe. Im Gegenteil. Ende Juni 2020 waren die Finanzvermögen auf der Erde um 1,5 Prozent höher als Ende 2019, getrieben vor allem durch einen starken Anstieg der Bankeinlagen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die privaten Finanzvermögen Ende 2020 höher sein werden als Ende 2019.

Das ist eine sehr bemerkenswerte Aussage. Obwohl die reale Weltwirtschaft den stärksten Absturz der Neuzeit erleidet, die Zahl der hungernden Menschen sowie Not und Elend auf der Erde in nie gesehener Geschwindigkeit und ungeheurem Ausmaß zunehmen, steigen die privaten Finanzvermögen.

Die Jahrhundertkrise trifft also nicht alle Erdenbürger gleich oder auch nur ähnlich stark, sondern die Reichen dieser Erde scheinen von der Krise gar zu profitieren.

Denn die privaten Finanzvermögen sind in Händen von vergleichsweise wenigen Menschen: Laut dem Allianz-Bericht verfügen die obersten 1 Prozent der Erdenbürger über 44 Prozent der Weltvermögen, die obersten 10 Prozent über 84 Prozent.

Superreiche immer weiter entfernt

Das führt uns zu der zweiten interessanten Aussage des Vermögensberichtes. Der Anteil am Weltvermögen, den die obersten 1 Prozent der Menschen halten, stieg seit der Jahrtausendwende von 41 auf 44 Prozent. „Also die Superreichen scheinen sich in der Tat immer weiter und weiter vom Rest der Gesellschaft wegzubewegen“, heißt es wörtlich in dem Bericht.

Auch das ist eine bemerkenswerte Aussage. Die Superreichen entfernen sich immer weiter weg vom Rest der Gesellschaft. Anders ausgedrückt: Innerhalb der Pyramidenspitze gibt es Machtverschiebungen zugunsten der ganz besonders Reichen. Es findet also eine Machtkonzentration innerhalb der Millionärsgemeinschaft statt.

Einen ähnlichen Hinweis auf Machtverschiebung innerhalb der Millionärsgemeinschaft brachte inequality.org im Juni 2020. Demnach besaßen die obersten 1 Prozent der US-Amerikaner Ende der 1980er Jahre 39 Prozent aller Aktien. Bis Mitte 2020 war ihr Anteil auf 50 Prozent gestiegen. Also immer mehr ökonomische Macht konzentriert sich bei immer weniger Menschen.

US-Milliardäre vorne weg

Nicht nur innerhalb der vergleichsweise großen Gruppe der Millionäre finden Konzentrationsprozesse statt, sondern auch innerhalb der Milliardärsgemeinschaft gibt es eine Machtverschiebung nach oben. Inequality.org berichtete am 31. August 2020, dass 1982 die reichsten 400 US-Amerikaner der damaligen Forbes-Liste 0,93 Prozent der US-Vermögen besaßen.

Im August 2020 verfügten die reichsten 10 US-Amerikaner über denselben Anteil am US-Vermögen, das entspricht etwa 853 Milliarden Dollar. Heute verfügen also 10 US-Bürger über einen genauso hohen Vermögensanteil wie seinerzeit 400. Demnach hat sich also die Vermögenskonzentration an der Spitze der USA ver-40-facht. Halten wir kurz inne. Seit 1982 hat eine Vervierzigfachung der Vermögenskonzentration und damit der Machtkonzentration an der obersten Spitze der USA stattgefunden. Das ist eine enorme Zunahme an ökonomischer Macht.

Und noch eine dritte Aussage im Allianz Global Wealth Report ist bemerkenswert. Unter der Überschrift „Vermögensverteilung — Trendumkehr“ heißt es in dem Bericht, dass sich 2019 gegenüber dem Vorjahr erstmals die Zahl der Mitglieder in der globalen Wohlstands-Mittelklasse von über einer Milliarde Menschen auf unter 800 Millionen dramatisch vermindert habe. Das sind beeindruckende Zahlen.

Über 200 Millionen Menschen sind in einem Jahr aus der Wohlstands-Mittelklasse herausgefallen.

Der Hauptgrund dafür ist laut Allianz, dass sich die Wohlstandslücke zwischen armen und reichen Ländern vergrößert. Die armen Länder fallen im Vermögensbereich hinter die Industrieländer zurück. Die Autoren der Studie sprechen von einer Trendumkehr seit 2016, die durch Covid-19 weiter verstärkt werden dürfte, weil die Corona-Maßnahmen die Armen dieser Welt stärker trifft und der Welthandel stark darunter leidet.

Wenige kontrollieren viel

Am Rande sei bemerkt, dass der Allianz Global Wealth Report irreführenderweise Covid-19 für die Jahrhundertkrise verantwortlich macht. Das ist jedoch falsch. Nicht das Virus, sondern die staatlichen Zwangsmaßnahmen haben die Erde in diese Weltwirtschaftskrise gestürzt und all das Elend herbeigeführt. Wie das Beispiel Schweden zeigt, hätte man mit dem Virus politisch und gesellschaftlich auch ganz anders umgehen können. Dann wäre der Wirtschaftsabsturz auch nicht annähernd so schlimm geworden, wie ebenfalls das Beispiel Schweden zeigt.

Zurück zur Vermögenskonzentration. Eine Studie der ETH Zürich
kam 2011 zu dem Ergebnis, dass 737 Spitzenaktionäre in der Lage sind, etwa ein Drittel des Weltsozialproduktes zu kontrollieren. Ein Drittel des Weltsozialproduktes kontrolliert von gut 737 Gesellschaften — das lässt auf eine ziemlich große Machtposition dieser Eigentümer schließen. Die Autoren der Studie fügen hinzu, dass die tatsächliche, die reale Kontrollmacht der Top-Eigentümer jedoch in Wirklichkeit zehnmal größer ist als die reine Vermögensmachtkonzentration.

Demnach würden also die oberen 70 bis 80 Haupteigentümer der Erde etwa ein Drittel des Weltsozialproduktes kontrollieren.

Durch die staatlichen Corona-Zwangsmaßnahmen und die damit verursachte katastrophale Wirtschaftskrise sind die Milliardäre sehr viel reicher geworden. Die österreichische sozialdemokratische Homepage kontraste.at berichtet, dass der „Reichtum der über 600 US-Milliardäre während der Corona-Krise um zusätzliche 700 Mrd. Dollar“ gewachsen sei.

Die neuen Oligarchen

Oligarchen wie Jeff Bezos sahen ihr Vermögen während der Corona-Zeit um 58 Prozent auf 179 Milliarden Dollar steigen. Der Oligarch Mark Zuckerberg erhöhte sein Vermögen in den letzten Monaten um 62 Prozent auf 88 Milliarden Dollar und der Oligarch Elon Musk verdreifachte gar sein Vermögen auf zuletzt etwa 70 Milliarden Dollar. Elon Musk wurde ja bei seinem Besuch in Deutschland im Sommer 2020 wie ein Staatsoberhaupt empfangen — obwohl nie irgendjemand diesen Menschen demokratisch gewählt hat.

Der bekannteste und wohl einflussreichste Oligarch von allen dürfte jedoch nach wie vor Bill Gates sein, dessen Vermögen gegenüber 2019 leicht auf etwa 116 Milliarden Dollar zugenommen hat.

Auch der Oligarch Bill Gates ist nie von irgendjemandem demokratisch gewählt worden. Sein Einfluss nicht nur auf die Gesundheitsentscheidungen unserer Politiker sondern weltweit ist jedoch enorm.

Auch er wird in Deutschland wie ein Staatsoberhaupt empfangen, nicht etwa wegen seiner Kompetenz in Gesundheitsfragen — die alles andere als vorhanden ist — sondern wegen seiner schieren Kapitalmacht. Sonst nichts. Das ist der einzige Grund.

Denn pure ökonomische Macht übersetzt sich normalerweise spielend in Medienmacht und politische Macht. Ich möchte hierzu den Soziologen Jürgen Krysmanski zitieren, der die politische und gesellschaftliche Einflussnahme durch große Geldsummen bereits in seinem 2012 erschienenen Buch „0,1 Prozent — Das Imperium der Milliardäre“ gut auf den Punkt brachte: „Milliardäre bestimmen — mittels eines Geflechts von Stiftungen und Organisationen und durch die Informationsindustrie — das Bildungswesen ganzer Länder; ihnen gehören Privatuniversitäten, große Teile des Gesundheitswesens, die wichtigsten Zeitungs-, Fernseh- und Filmkonzerne. Sie verfügen über Privatarmeen. Wissenschaftliche Berater, Kunst- und Kulturstrategen, Politiker werden ohne große Unterschiede ‚eingekauft‘.“

Auch der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht durch den enormen Einfluss von Milliardären auf verschiedene Lebensbereiche, insbesondere jedoch auf die Medien, die Demokratie in Gefahr. Er nennt ein Kapitel seines 2012 erschienen Buches „The Price of Inequality“ „Demokratie in Gefahr“. Mit Recht.

Fazit

Die Machtkonzentration hat in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Durch die staatlich angeordneten, freiheitsberaubenden Corona-Zwangsmaßnahmen wird dieser Prozess ungeheuer beschleunigt.

Es fallen die Masken.

In den letzten Monaten wird immer offensichtlicher, wohin die politische Reise geht: In eine Oligarchie, eine Herrschaft der wenigen Superreichen, also in die Gelddiktatur oder den Finanzfaschismus. Die Demokratie wird immer mehr abgeschafft. Und soll abgeschafft werden. Denn einigen Wenigen kommt das sehr entgegen.


Christian Kreiß, Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte in München über die Große Depression 1929 bis 1932. Nach sieben Jahren Berufstätigkeit als Investmentbanker in verschiedenen Geschäftsbanken unterrichtet er seit 2002 als Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen.


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