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Falscher Grund zur Besorgnis

Die Statistik der sogenannten Corona-Toten entbehrt der faktischen Grundlage und ignoriert die natürliche Sterblichkeit.

von Andreas Schell

Mit der Zahl der laut Robert Koch-Institut „im Zusammenhang mit Covid-19“ Verstorbenen wird weiter Politik gemacht. Die Regierenden stützen darauf ihre Angstmache, mit der sie die Bevölkerung in Schach halten, während sie deren Grundrechte anhaltend beschränken. Wie bei den sogenannten Neuinfektionen, zu denen die positiven Testergebnisse umgedeutet werden, werden die Sterbezahlen aus dem Zusammenhang gerissen. Damit wird eine teure Strategie begründet, die angeblich ein Virus eindämmen soll, in der Realität aber die Gesellschaft massiv und mit großen Folgeschäden einschränkt. Dabei könnte das dafür ausgegebene Geld der Steuerzahlenden sinnvoller ausgegeben werden.

In Schongau wehrt sich die Klinikleitung. Die 5 neu zur Statistik gezählten Corona-Toten, die den Zähler auf 12 Tote im Landkreis Weilheim-Schongau erhöhten, starben nicht an Covid-19, sondern an anderen Ursachen. Im Landkreis Landsberg am Lech erhöhte sich die Gesamtzahl aller Todesfälle von 10 auf ebenfalls 12. In den beiden jüngsten Fällen, die seit Sommer 2020 hinzukamen, waren die Patienten, ähnlich wie im Frühjahr 2020, hochbetagt und vorerkrankt.

Diese beiden Beispiele sind kein lokaler Zufall, sondern typisch. Nach wie vor liegt der Altersmedian der mutmaßlich an, tatsächlich aber mit positivem Corona-Test verstorbenen Menschen über dem der natürlichen Sterblichkeit, die in Deutschland genau erfasst wird. Deutsche Männer sterben im Durchschnitt mit 79, Corona-Opfer jedoch erst mit 82 Jahren.

Wolfram Meyerhöfer legt auf Telepolis in verständlicher Weise dar, warum die Corona-Todeszahlen keinen Anlass zur Besorgnis geben. Nicht die Lungenkrankheit Covid-19 ist die Hauptursache für das stete Hochzählen auf dem Dashboard des Robert-Koch-Instituts (RKI), sondern die Tatsache, dass inzwischen praktisch jeder Mensch in Deutschland mit jeder möglichen Erkrankung einen Corona-Test über sich ergehen lassen muss. Bei positivem Befund wird er im Todesfall schon seit Beginn der Krise zum Corona-Toten — tatsächliche Todesursache egal. Die Zahl der Verstorbenen skaliert so mit dem Testaufwand, und der ist bekanntermaßen riesig.

Warum ist dieses Vorgehen zu kritisieren?

Euromomo und Statistisches Bundesamt erkennen nach wie vor keine außergewöhnliche Übersterblichkeit in Deutschland. Alles läuft normal. Wir zählen PCR-Tests. Die PCR-Tests weisen mehrheitlich falsch positive Befunde aus. Die folgende Überlegung verdeutlicht das, nachzulesen auf Wikipedia, Stichwort: Satz von Bayes.

Bild

Abbildung: Zunächst wird der aktuelle klinische Befund abgeschätzt: Wie viele Gesunde und wie viele Kranke gibt es? Im zweiten Schritt wird mit PCR getestet. Gesunde sind negativ oder falsch positiv. Kranke sind positiv oder falsch negativ. Die Anzahl lässt sich aus Spezifität und Selektivität des Tests berechnen.

Zur Berechnung der falsch positiven Rate nach Bayes gelten die folgenden Überlegungen. Deutschland hat 82 Millionen Einwohner. Circa 300.000 gelten aktuell als PCR-positiv. 20 Prozent, also 60.000 von ihnen, entwickeln nennenswerte Krankheitssymptome. Sie liegen der Berechnung zugrunde. Dabei wird sogar außer Acht gelassen, dass nur 3.200 der Betroffenen momentan auf einer Intensivstation liegen und 1.800 beatmet werden, also tatsächlich das SARS-Syndrom entwickelt haben.

60.000 Kranke sind 0,073 Prozent der Gesamtbevölkerung. Von 1 Million Bundesbürgern sind das 732 Personen, die mehr oder weniger stark erkrankt sind. 999.268 Personen sind demnach klinisch gesund, weil sie nicht die Symptome von Covid-19, insbesondere nicht das „schwere akute respiratorische Syndrom“ (SARS) zeigen.

Diese Million Deutsche wird vor diesem Hintergrund nun per PCR auf das Sars-Cov-2-Virus getestet. Der Test wirft wegen seiner technischen Eigenschaften Spezifität oder Richtig-negativ-Rate 99 Prozent, also 989.275 richtig negative, aber eben auch 9.993 falsch positive Ergebnisse aus. Von den 732 tatsächlich kranken Menschen werden aufgrund der 98-prozentigen Sensitivität des Tests 717 korrekt positiv erkannt und 15 Kranke falsch negativ übersehen.

Insgesamt findet man also 10.710 positive Ergebnisse, die mit Blick auf das klinische Bild zu 93 Prozent falsch sind. Wichtig ist: Es geht um das tatsächliche klinische Bild, nicht um den bloßen Virus-Nachweis.

Ich lade meine Leser dazu ein, mit dieser einfachen Betrachtung und eigenen Zahlen zu spielen. Der Preis für das resultierende Jammerbild sind nicht nur 1 Million Tests, sondern völlig unbegründete Quarantänierungen, Panik, Angst und Schrecken. Zusammen mit dem oben genannten Befund ergibt sich mein Vorwurf an die Politik:

Auf Basis eines völlig ungeeigneten Tests wird die natürliche Sterblichkeit in Deutschland zur Katastrophe umdeklariert. Grundlose Panik, Angst und Schrecken nutzt der Gesetzgeber, um in Windeseile ein Regelwerk einzuführen, das unser Sozialleben massiv einschränkt, mittelständische Betriebe ruiniert und das kulturelle Geschehen zum Stillstand bringt. Diese Umtriebe müssen sofort gestoppt werden.

Wieso geben wir überhaupt Milliarden für ungeeignete Tests und hastig entwickelten Impfstoff aus und nicht für Krankenhausbetten und Personal? Das Problem wäre dann weg, denn Covid-19 ist normalerweise mit altbekannten Mitteln und Gerätschaften therapierbar. Ob das, wofür wir stattdessen Geld rausschmeißen, helfen wird, ist dagegen völlig offen!


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Artikel erschien unter dem Titel „Corona-Tote oder natürliche Sterblichkeit“ zuerst auf doktor-schell.de.

Andreas Schell ist Naturwissenschaftler, Nerd, Umweltschützer und Friedensbewegter. Derzeit kümmert er sich um nachhaltige Mobilität. Davor kam der promovierte Chemiker in der Chemie- und Maschinenbau-Industrie zur Einsicht, dass unser marktradikales Wirtschaftssystem ausgedient hat. Zu viele Produkte sind bereits heute so wertlos wie das aus dem Nichts geschöpfte Geld. Das Verschlanken, Modernisieren und Dezentralisieren unserer Nahrungsmittel-, Rohstoff- und Energieversorgung ist dagegen dringend nötig — und zugleich ein großartiges Arbeitsbeschaffungsprogramm.

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