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Leider jung

In Zeiten des Übergangs, in einer absolut instabilen globalen Situation ist es beunruhigend, noch so viele Lebensjahre vor sich zu haben.

von Felix Feistel

In einer Gesellschaft in der Dauerkrise, angesichts der Dystopisierung der Zukunft und der Entfremdung der Menschen, die im Zuge der Coronapolitik auch noch garniert wird mit totalitärem Faschismus, ist es als junger Mensch schwierig, dem eigenen Leben eine Richtung zu geben. So vieles spricht dafür, das alte System hinter sich zu lassen und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Gleichzeitig ist es genau das, was am wenigsten realistisch erscheint. Wohin also gehen? Was tun? Eine Suche nach Antworten.

Noch immer hat das Corona-Regime den Alltag fest im Griff, zieht sich die Schlinge des Totalitarismus stetig enger um die Hälse derjenigen, die den derzeitigen Regierungskurs nicht befürworten. Immer mehr Amts- und Funktionsträger befürworten den Impfzwang, der längst schon medial vorbereitet wird. Der Faschismus feiert wieder einmal unter dem Deckmantel der Volksgesundheit fröhliche Umstände. In dieser Zeit ist es alles andere als traumhaft, jung zu sein.

Den Spießrutenlauf sämtlicher Bildungseinrichtungen hinter sich, fertig formatiert für die egomanische Leistungsgesellschaft sollte nun der Startschuss fallen für ein Leben im permanenten Hamsterrad der Sinnlosigkeiten.

Stattdessen findet man sich neuerdings vor die Wahl gestellt: Impfen oder untergehen. Oder mit anderen Worten: Die Bedrohung mit dem potenziellen Tod, oder dem Gesellschaftstod.

Dabei regierte schon vor Corona und dem totalitären Faschismus die vollkommene Ratlosigkeit. Klimakrise, Ökokatastrophe, ökonomischer Zusammenbruch, sozialer Zusammenbruch und die permanente Gefahr eines vernichtenden Krieges sind die ganz normalen Begleiterscheinungen unseres gesellschaftlichen Systems, in dem wenige Reiche immer reicher und mächtiger werden und den Rest in einer gnadenlosen Ellenbogengesellschaft gegeneinander ausspielen.

Der ganze Planet wird geplündert, ausgesaugt, zerstört und verseucht zugunsten einer Ideologie des ewigen, wirtschaftlichen Wachstums und der beständigen „Entwicklung“, die nur eine technische Illusion ist. Sich dieser Ideologie unterzuordnen, ist Sinn und Zweck der sogenannten Bildungsanstalten. Von vielen bereitwillig als eigene Ideologie übernommen, endet die Unterordnung jedoch in Depressionen, Egomanie, Ellenbogendenken, einem Leben im immerwährenden Kampf um das eigene Überleben. Dieses System ist zum Scheitern verurteilt und es wird mit Pauken und Trompeten untergehen. So steht man als junger Mensch vor einer schwierigen Entscheidung.

Wie sinnvoll ist es, sich in der sinkenden Titanic noch einmal ans Buffet zu setzen, und mit dem Rest der Gesellschaft ausgelassen zu speisen?

Immerhin, die Musik spielt noch und vermittelt ein Gefühl von Wärme und Sicherheit, an die sich nostalgisch zu klammern nur allzu verlockend ist. Doch diese Sicherheit ist eine Illusion.

Einkommen, Rente, Versicherung, all das kann von einem Tag auf den anderen vollkommen wertlos werden. Supermarktregale könnten eines Tages plötzlich leer bleiben, das bunte Warenangebot eines übersättigten Konsumkapitalismus verschwinden. Die Musik wird aufhören zu spielen. Dann beginnt das Wettrennen um die Rettungsboote und man realisiert, dass man sein ganzes Leben verschwendet hat im Bemühen, sich um der Sicherheit willen in eine destruktive Gesellschaft einzufügen. Sich auf die ewige Sicherheit des Systems verlassend, auf ihr Ende ganz und gar unvorbereitet wird man ganz sicher mit diesem untergehen.

Besser wäre es, schon heute überlebensfähige Alternativen aufzubauen. Doch auch hier fehlt jede Form von Einkommen, Rente, Versicherung, da eine solche Alternative im System nicht vorgesehen ist. Es gibt keine Sicherheit im Neuen. Dafür lockt der Ruf der Freiheit, der Autonomie, der Selbstbestimmung. Ein Abenteuer, das man nicht im Bürostuhl erleben kann. Und trotzdem ist Geld eine beständig benötigte Ressource und zwingt, sich wieder ins System einzugliedern. Raum für Neues, für Veränderung wird auf diese Weise verschlossen. Und wenn man scheitert? Es drohen Armut, Schulden, Hoffnungslosigkeit. Die einzig logische Lösung erscheint damit gleichermaßen am unrealistischsten.

Und wenn das System scheitert? Denn es wird scheitern. Es scheitert schon jetzt für die absolute Mehrheit. Die Zeiten, in denen kosmetische Reparaturen noch spürbare Verbesserungen für irgendjemanden gebracht hätten, sind längst vorbei, sofern es sie jemals gegeben hat. Mit jedem Tag, den wir eine fundamentale Veränderung aufschieben, beschwören wir nur noch größeres Elend herauf. Das ist jedoch die einzige Antwort, welche die Akteure des Systems kennen: Hinauszögern, Kurs halten, Gas geben. Auch wenn vor uns ein riesiger Abgrund klafft.

Gleichzeitig schließt sich das eiserne Band des Faschismus immer enger um jeden Einzelnen, ohne Aussicht auf Besserung.

Die herrschende Ideologie dringt mit Gewalt in das Privatleben aller Menschen ein, zwingt sie, sich ihr unterzuordnen und jeden noch so schwachsinnigen Befehl auszuführen. Sie hetzt die Menschen gegeneinander auf, macht die Wohlmeinenden und Selbstgerechten zu Erfüllungsgehilfen ihrer zerstörerischen Absichten. Hier wird jede Bemühung um eine Alternative, die von den totalitären feuchten Träumen der selbsternannten Herrscher abweicht, unmöglich gemacht. Auch die vermeintlichen Antworten auf die drängenden Probleme unserer Zeit sind keine echten Veränderungen. Es ist die Fortsetzung des kapitalistischen Systems mit feudalen und totalitären Mitteln.

Jung zu sein in Zeiten der Dystopie ist kein Traum. Es gibt keine sichere Position, aus der heraus man agieren kann und es gibt auch keine Aussicht auf eine solche. Wir gehen dem kollektiven Untergang entgegen, egal, wie genau dieser aussehen mag. Welchen Sinn soll es da noch in irgendetwas zu finden geben? Welchen Weg soll und kann man überhaupt noch einschlagen? Ist nicht bereits alles zu spät?

Aber aufgeben und resignieren ist keine echte Option. Es wird Zeit, dass denjenigen, die uns in diese Situation geführt haben, das Ruder aus der Hand gerissen wird. Es wird Zeit, dass jene übernehmen, die eine Vision für eine lebenswertere Zukunft haben, eine Zukunft ohne Konkurrenzkampf, ohne Verdrängung, ohne Pseudowachstum. Es wird Zeit, dass wir den gegenwärtigen Umsturz nutzen, ihn in unserem Sinne zu gestalten, eine Gesellschaft aufzubauen, die auf ein Miteinander setzt, statt auf ein Gegeneinander. Eine Gesellschaft, die Mensch und Natur gleichermaßen wertschätzt, die nicht auf Sklaverei, Unterordnung, Gehorsam und Ausbeutung errichtet ist.

Die einzig sinnvolle Option ist es, Inseln der Vernunft in diesem Ozean des Wahnsinns zu errichten.

Kleine Gemeinschaften, in denen Gleichberechtigung und Selbstbestimmung die maßgebenden Werte sind. Wozu lebenswichtige Güter nur gegen Geld abgeben? Warum sie nicht gleichmäßig nach Bedarf verteilen? Warum Entscheidungen an ferne Institutionen delegieren, statt seine eigenen Angelegenheiten selbst zu gestalten? Wir brauchen auch keine Ideologie des ewigen, unendlichen Wachstums, wenn wir genügsam unsere tatsächlichen Bedürfnisse erfüllen. Dann brauchen wir auch keinen Kampf gegen die uns umgebende Natur mehr zu führen, um ihr immer mehr ihrer Ressourcen abzuringen. Wir können mit ihr und in ihr leben. Nur auf dieser Weise besteht eine Möglichkeit, den nahenden Zusammenbruch zu überstehen.

Nur, wie fangen wir an, als junge Menschen, die nur gelernt haben, in den für das destruktive System nützlichen Kategorien zu denken? Wo fangen wir an, wenn es uns an allem mangelt, das wir eigentlich bräuchten? Die erste Antwort ist: Bei uns selbst.


Felix Feistel, Jahrgang 1992, schreibt in vielfältiger Weise über die Idiotie dieser Welt und auch gegen diese an. In einer auf Zahlen und Daten reduzierten Welt, die ihm schon immer fremd war, sucht er nach Menschlichkeit und der Bedeutung des Lebens. Er versucht, seine Kräfte und Talente für die Gestaltung einer lebenswerten Welt einzusetzen, indem er sich gegen Ungerechtigkeit und Zerstörung wendet. Trotz des überall grassierenden Wahnsinns ist er nicht bereit, den Glauben an das Gute im Menschen und sein Potenzial, den Planeten in ein Paradies zu verwandeln, aufzugeben. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

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