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Menschenhandel in Deutschland

Manfred Paulus, früherer Kriminalhauptkommissar, Polizist und Ermittler im Bereich von Menschenhandel und Zwangsprostitution, hat seine beruflichen Erfahrungen in einem neuen Buch „Menschenhandel und Sexsklaverei“ verarbeitet.

Ungarn, Ukraine, Österreich, Deutschland, Rumänien, Bulgarien … der Handel mit Kindern und Menschen gedeiht wie nie zuvor. Der Autor, Manfred Paulus, legt den Finger auf den Puls der Sexsklaverei. Erschreckend aber auch informativ zugleich. Ein Lagebild der aktuellen Realität. Direkt vor unseren Augen.

„Der Befund des Buches macht betroffen, umso mehr, als Manfred Paulus aus langjähriger Erfahrung die Mängel und Schlupflöcher der Gesetzgebung kennt, die es Menschenhändlern und Zuhältern immer wieder ermöglichen, trotz oft erdrückender Beweislage straffrei zu bleiben“, so der Klappentext des neuen Buches.

Im Kapitalismus, in unserer europäischen Demokratie und unserem ideologischen Gemeinschaftssystem werden stets Märkte bedient, wo Nachfrage herrscht.

Wer also bildet die Nachfrage alleine nur in Deutschland?

Zu glauben nur Eliten hätten sich durch Handlanger und Kinderhändler wie Jeffrey Epstein oder Gishlaine Maxwell an Minderjährigen und Kindern vergangen ist ganz eindeutig zu kurz gedacht.

Alleine in den USA sprechen wir jährlich von einem 30 Milliarden Dollar Markt. Pro Kind mit durchschnittlichem Alter von 12 Jahren rechnet man einen Profit von 250.000 Dollar. Für Eltern mit 4 Kindern ergibt dies eine „Beute“ von 1 Million US Dollar.

Wir sprechen hier also von einem Missbrauch durch alle Schichten der Gesellschaft. Vom Handwerker über den Ingenieur bis hin zum Promi. Wie sonst lassen wir 30 Mrd $ pro Jahr erwirtschaften. Ein Betrag übrigens der aufgrund seines massiven Volumens selbst in der Finanzwelt auffallen müsste.

Deutsche Bordelle erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von 14 bis 15 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Jahresumsatz mit Papier, Büroartikel und Schreibwaren in Deutschland (mit ca. 12,8 Mrd Euro).

Der Handel mit Kindern zu sexuellen und anderen Zwecken nimmt rapide zu. Skrupellose Schlepper und internationale Menschenhändlerringe sind überall auf der Welt aktiv. Sie kaufen, locken oder verschleppen jährlich Hunderttausende von Minderjährigen, um sie auszubeuten. Dabei gehören Kinder ohne Zweifel zu den vulnerabelsten Opfern. Das Geschäft beschränkt sich schon lange nicht mehr auf wenige Handelsrouten. In unserer globalisierten Welt werden Kinder über Landes- und Erdteilgrenzen hinweg verschleppt und verkauft. Auch in Deutschland ist der Handel mit Kindern ein Problem.

ECPAT Kinderhandel

Im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) wird der Kinderhandel hingegen als reiner Adoptionshandel (§236 StGB) beschrieben. Kinder, die Opfer anderer Ausbeutungsformen werden, werden somit häufig nicht als Opfer von Menschenhandel wahrgenommen.

Schweden beschloss Ende der 1990er Jahre mehrere Gesetzesvorhaben zum Schutz von Frauen und Prostituierten. Seitdem werden sowohl Aktivitäten im Rotlicht- und Sexarbeiter-Milieu als auch sexuelle Handlungen ohne gegenseitiges Einverständnis innerhalb einer Ehe, Partnerschaft sowie unter Bekannten oder Fremden hart unter Strafe gestellt. 1998 trat das schwedische Gesetzespaket „Frauenfrieden“ („Kvinnofrid“) in Kraft. Im Rahmen dieser Gesetzesreform wurden die Bereiche Prostitution und Sex-Kauf kriminalisiert. Prostitution in Schweden ist seitdem nicht mehr legal, Freier unterliegen der Strafverfolgung.

Die Kernfrage lautet nach wie vor: Wer erzeugt die Nachfrage und warum?

Das Schwedische Modell ist eine reine Symptombehandlung, da durch Strafe alleine noch nie ein kriminelles Verhalten restlos aufgelöst wurde. Es erhöht lediglich den Preis der „Ware“ und womöglich auch noch den Reiz des Verbotenen. Eliten und elitäre Strukturen dagegen leben und wirken außerhalb der bürgerlichen Regeln. Ganz gleich wie hart und schwer und lange ein Freier oder Menschenhändler bestraft werden würde, Kinder werden dennoch zu hunderttausenden weiterhin verschwinden und brutal traumatisiert werden.

Warum sind Menschen, ob Männer oder Frauen, fähig ihren Trieb bei anderen Menschen, vor allem aber Kindern gnadenlos auszuleben, ohne das innere Gefühl der Ablehnung. Ähnlich wie eine Beißhemmung, die es den Menschen instinktiv nicht erlaubt solch eine Schändung zu vollziehen.

Erst wenn sich jeder Bürger in unserem Land diesen Schandfleck unseres Daseins ansehen traut und nach der Wurzel des Übels forscht, werden wir verstehen lernen, wo wir als Gesellschaft vom Weg abgekommen sind.

Es sind ausgebeutete, geschändete, traumatisierte Kinder, denen wir die Selbstverständlichkeit mitgeben für die Zukunft: Schänden und Ausbeuten ist ok!

Wir sollten die Zeit 2020 nutzen, uns diesem Schatten zu zu wenden.


Quellen und Infos:

Manfred Paulus: „Menschenhandel und Sexsklaverei: Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu“, Promedia, 203 Seiten, Preis 19,90 Euro, ISBN: 978-3-85371-467-6, 1. Auflage 2020

https://www.theeuropean.de/ansgar-lange/13403-prostitution-die-moral-hat-ein-dreckiges-geischt

https://www.youtube.com/watch?v=aw48VryHBNU

https://de.wikipedia.org/wiki/Sklavenhandel