Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Moderne Hexenjagd

Im Rubikon-Exklusivinterview kritisiert der ehemalige Talkshowmoderator Pfarrer Jürgen Fliege den Umgang mit Regierungskritikern und zieht dabei religiöse Parallelen.

von Flavio von Witzleben

Kritik am Regierungskurs ist in einer Demokratie von essenzieller Bedeutung. Wer jedoch Angst haben muss, seine Kritik öffentlich zu äußern, weil dies mit beruflichen oder gesellschaftlichen Sanktionen einhergeht, lebt offenbar in einem zunehmend autoritären Staat. Der Umgang mit Kritikern nimmt im Zuge der Coronakrise mittlerweile religiöse, kulthafte Züge an, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Wer nicht auf Linie ist, wird aus dem öffentlichen Diskurs „herausgemobbt“, entfernt. Der ehemalige Talkshowmoderator Jürgen Fliege führt im Interview mit Rubikon aus, welche Folgen es für eine Gesellschaft hat, wenn Kritiker derartig behandelt werden. Er erzählt, wie es dazu kam, dass er im vergangenen Jahr auf einer Querdenken-Demo sprach, und weshalb wir zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Als Jürgen Fliege in seiner Talkshow „Fliege“, die über 10 Jahre lang im ARD ausgestrahlt wurde, Gott als „den Gangster da oben“ bezeichnete und sich kritisch zur Intervention der NATO im Jugoslawienkrieg äußerte, sollte seine Sendung abgesetzt werden. Erst nach massivem Protest der Zuschauer ließ der Sender zunächst Gnade walten, bevor er die Sendung dann 2005 endgültig „cancelte“. Jürgen Fliege weiß also, wovon er spricht, wenn es um den medialen Umgang mit unliebsamen Meinungen geht. Im Interview mit Rubikon führt er aus, wie es zu einer solchen Abfertigung von Kritikern des offiziellen Kurses kommen konnte, und erläutert dies anhand einiger Beispiele aus seiner Zeit im Fernsehen.

Jürgen Fliege blickt angesichts der gegenwärtigen Situation positiv in die Zukunft, denn er sieht in den Verwerfungen rund um das „Pandemiegeschehen“ einen Aufbruch in eine neue Zeit. Die Konsumgesellschaft, wie wir sie die letzten Jahrzehnte erlebt haben, wird es nicht mehr lange geben. Corona bringt dabei die perfiden Auswüchse unseres Systems zum Vorschein und gibt uns allen die Möglichkeit zu erkennen, in welcher Welt wir leben. Der Pfarrer und studierte Theologe ermutigt dazu, sich nicht zu fürchten, weder vor autoritären Maßnahmen noch vor einem Erkältungsvirus.


Flavio von Witzleben, Jahrgang 1992, gehört zu jener Generation, die nicht alles für bare Münze nimmt, was in den Medien steht oder in der Gesellschaft als „common sense“ gilt. In seiner Freizeit versucht er vor allem herauszufinden, ob die Erde nicht doch eine Scheibe sein könnte und inwiefern es möglich ist, die Meinung der Massen zu kontrollieren. Aktuell studiert er Philosophie und Kulturreflexion an einer kleinen, aber feinen Universität im Herzen des Ruhrpotts und ist gerade dabei, seinen gesellschaftlich wichtigen Hochschulabschluss zu erwerben, um dann endlich die Welt retten zu können. Ob er das schaffen wird, steht noch in den Sternen. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


TOP AKTUELL:
Lehestener Kolumne