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Warum jetzt?

Die Industriekauffrau Christine Hägele-Alleze aus Schwäbisch Gmünd war bis vor Kurzem als Assistentin in einem Konzern tätig. Diesen Job hat die 1984 geborene Aalenerin inzwischen aber gekündigt — auch weil sie in dieser Funktion keine Demonstrationen hätte anmelden können. Bekannt wurde sie unter anderem als „The Face“ — das Gesicht des Schweigemarschs vom 10. Oktober 2020 in Berlin, der am 22. November 2020 — diesmal in über 20 Städten — in größerem Umfeld stattfindet. Neben Demonstrieren gehören Reisen mit der Familie mit dem VW-Bus, Tauchen und Wandern in abgelegenen Gegenden dieser Welt zu den Hobbys der zweifachen Mutter. Im Interview erklärt sie ihre Beweggründe — und auch, warum sie sich der Maskenpflicht widersetzt.

Andrea Drescher: Sie sind „The Face“, das Gesicht vom Schweigemarsch. Wie kam es dazu?

Christine Hägele-Alleze: Durch das Foto von Hannes Henkelmann. Er hat den Moment als Foto eingefangen.

Was für einen Moment?

Ich war am 29./30. August in Berlin als Ordner an der Siegessäule eingesetzt. Da ich eine Frage hatte, bin ich auf den Polizisten zugelaufen. Es war irgendwas Banales — ich weiß nicht mehr was. Es ging — glaube ich — um die Festnahme von Nana. Ich konnte meine Frage aber gar nicht stellen, denn er hat sofort seinen Gesichtsschild vom Helm runtergenommen und den Schlagstock ausgefahren. So ist dieses Bild entstanden. Ich stand menschlich entsetzt vor ihm. Ich habe ihn dann 15 Minuten lang mit seinem Verhalten konfrontiert, bis er mit seinem 4er-Trupp abbestellt worden ist.

Konfrontiert — was meinen Sie damit?

Ich habe 15 Minuten auf ihn eingeredet, ihm erklärt, warum ich auf der Straße stehe, dass ich zwei kleine Kinder habe und möchte, dass diese in Frieden und Freiheit aufwachsen und nicht in einer ungerechten, menschlich verwahrlosten Welt.

Hat er reagiert?

Die einzige Reaktion war, dass er mir nicht in die Augen schauen konnte. Ich habe ihn direkt gefragt, ob er es schafft, mir von Mensch zu Mensch 10 Sekunden in die Augen zu schauen. Aber das war ihm nicht möglich. Er sah mich kurz an und schaute dann doch wieder auf den Boden.

War es also eher ein Monolog als ein Gespräch?

Ja — aber ich glaube, es hat ihn menschlich sehr beschäftigt. Er schien wirklich überfordert mit dem, was ich ihm gesagt habe, als ob er wirklich nicht wisse, was momentan auf politischer Ebene geschieht. Ich habe ihn gleich geduzt — er war so jung —, auf gut schwäbisch: „Mensch Kerle, du könntest mein Sohn sein.“ Ich rede mit Menschen, nicht mit der Uniform. Immerhin hat er den Schlagstock wieder runtergenommen, nachdem ich absolut fassungslos mit Tränen in den Augen vor ihm stand. Da hat er wohl gemerkt, was er mit seinem Verhalten bei mir persönlich angerichtet hat.

Warum hatten Sie Tränen in den Augen?

Weil ich menschlich fassungslos war, betroffen und völlig im Schock auf die Situation, wie ein Polizist auf eine junge Frau reagiert, von der wirklich keine Gefahr ausgeht. Ich meine, ich stand im Sommerkleid mit Flipflops vor ihm!

Glauben Sie, dass er Angst hatte?

Nein.

Warum hat er dann wohl so reagiert?

Weil er unter Strom stand. Ich glaube auch nicht, dass es die typische Machtdemonstration war, sondern dass er einfach mit der Situation überfordert war. Sonst reagiert man doch nicht so.
Er hat immer wieder gesagt: Halten Sie Abstand, halten Sie Abstand. Monotones unreflektiertes Reden — antrainiert —, er war total überfordert. War doch das Publikum an diesem Tag ganz anders als vielleicht bei vorherigen Einsätzen von ihm. Menschlich, friedvoll, Friedenslieder singend. Das kann schon verwirrend sein, wenn die Anordnung von oben bezüglich der zu treffenden Maßnahmen gar nicht mit dem Verstand unter einen Hut gebracht werden kann. Alle waren friedlich.

War das die erste Demo, auf der Sie als Ordner dabei waren?

Nein. Ich war schon mehrfach auf Großkundgebungen in Stuttgart und München als Ordner eingesetzt.

Frauen sollen als Ordner auch deeskalieren, nicht wahr?

Ja. Und ich mit meinen 50 Kilo war dann eine Bedrohung für diese Polizisten. Unglaublich.

Sind Sie aktiv bei Querdenken?

Ja. Wir sind Querdenken-7171.

Wir — also Sie und Ihr Mann?

Nein, aber er passt immer auf die Kinder auf. Ohne ihn wäre das gar nicht möglich. Heute sind auch mal die Männer mit den Kindern daheim (lacht).

Wir — das ist ein Orga-Team von 12 Menschen, die alle vier Wochen vor Ort Kundgebungen organisieren und am Wochenende zusammen auf die Großdemos fahren, um uns für Frieden, Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung einzusetzen! Vor allem für unsere Kinder!

Waren Sie schon vor Corona politisch aktiv?

Nein. Es gibt zwar viele Themen, mit denen ich mich seit 20 Jahren beschäftige, wie zum Beispiel Monsanto, TTIP oder die Sea Shepherds. Ich habe verschiedene Bewegungen verfolgt, auch finanziell unterstützt, war aber nie selbst aktiv.

Warum jetzt?

Meine rote Linie wurde überschritten. Jetzt ist der Zeitpunkt, auf die Straße zu gehen, es ist nicht mehr der Zeitpunkt, Petitionen von der Couch aus zu unterschreiben!!!

Was stört Sie denn besonders?

Mich stört, dass wir als Familie nicht mehr leben können, wie es uns von der Seele her entspricht! Die Maßnahmen derzeit sind nicht verhältnismäßig. Eine App für die Feststellung Infizierter? Ich hätte gerne eine App, die mir Kinderschänder anzeigt, welche auf Bewährung davongekommen sind! Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Wir werden so dermaßen eingeschränkt, dass man uns die komplette Eigenverantwortung nimmt! Nochmal zur Erinnerung: Ich bin als freier Mensch geboren und so werde ich von dieser Erde als Gast auch wieder gehen!

Ich lebe maximale Eigenverantwortung. Als grundsätzlich vernünftiger Mensch gehe ich Risiken bewusst ein und will mir keine Vorschriften machen lassen, die mit meinem Wertesystem nicht übereinstimmen. Wir ernähren uns gesund, sind viel in der Natur und pflegen Beziehungen zu Menschen, die wir von Herzen lieben und wo man sich gegenseitig guttut! Gesundheit bedeutet für mich eine gesunde Beziehung zwischen Körper, Geist und Seele. Wer anders als ich persönlich kann für diese hohen Güter Verantwortung übernehmen? Ein Politiker? Nein danke. Man muss selbst entscheiden.

Können Sie ein Beispiel geben?

Ich bin kein Impfgegner, aber auch hier plädiere ich für die Selbstbestimmung. Wer möchte, darf sich gerne impfen lassen. Bei manchen Personengruppen ergibt das auch Sinn. Aber Zwänge und Androhung von Bußgeldern, wenn man in die Selbstverantwortung geht?!

Ich habe einen gesunden Menschenverstand und möchte nach meinen eigenen Vorstellungen handeln. Ich bin seit vier Jahren in der Ausbildung zur Heilpraktikerin, habe inzwischen einiges an medizinischem Wissen aufgebaut und weiß alternative Heilmethoden sehr zu schätzen.

Sie haben im Vorgespräch erzählt, Sie haben gekündigt. Warum?

Ich möchte mehr Zeit für meine Kinder und mein Studium haben. Ich sehe mich nicht mehr in der Firma, das entspricht mir nicht mehr. Ich bin dankbar für die jahrelange schöne Zeit und die Möglichkeiten, die mir der Konzern geboten hat, aber jetzt möchte ich mehr mit Menschen arbeiten, für Gesundheit sorgen und habe auch deswegen die Ausbildung zum Heilpraktiker begonnen. Für mich ist das Leben eine große Erfahrung, man darf mutig sein und sich auch mal von einem vermeintlich sicheren Beruf trennen. Ich vertraue meinem Bauchgefühl, anstatt immer auf Sicherheit zu gehen.

Ist es nicht sehr riskant, in dieser Zeit einen sicheren Job zu kündigen?

Viele „normale“ Menschen sagen, dass ich ziemlich dämlich sei, das zu machen. Aber für mich fühlt es sich richtig an. Ich hätte in meiner Position ja auch keine Demonstrationen anmelden können. „Normal“ — das ist für mich inzwischen die Abwesenheit von Mut. Es gibt so viele Mitläufer heutzutage — es ist kaum auszuhalten. Wenn ich selbst nicht den Mut aufbringe, verändert sich nichts.

Sie haben keine Ängste?

Ich lebe lieber mit den Konsequenzen meines Tuns, wenn es mir richtig erscheint und wichtig ist. Eigenverantwortung eben. Das Leben ist nicht sicher. Wir haben als Gesellschaft den Anspruch entwickelt, nie krank zu sein. Das ist doch komplett irre. Das Immunsystem muss sich entwickeln können. Man darf ab und zu einen Infekt in Kauf nehmen, damit die Gedächtniszellen des Immunsystems aufgefrischt werden. Das Immunsystem muss „auf dem Laufenden“ bleiben.

Mit 16 las ich die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross und habe mich damals schon mit den Sterbephasen konfrontiert. Fragen Sie mich nicht, woher das Interesse in diesem Alter kam, aber mit 18 auf den ersten Selbsterfahrungskurs zu gehen ist wohl auch unüblich, wie ich dann vor Ort feststellte. Ich habe mich als langjährige Zen-Schülerin mit der Endlichkeit unseres Erdendaseins intensiv beschäftigt. Meinen ersten Klosteraufenthalt hatte ich mit 20. Danach folgten weitere bis hin zu einem richtigen Sesshin. Angst hat nur unser Ego.

Meine Familie kümmert sich aktiv um ein starkes Immunsystem durch gesunde Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und kein Social Distancing, das ist nämlich ein wesentlicher Punkt, der Menschen krank macht: Vereinsamung, Werteverlust und oberflächliche Beziehungen. Das möchte ich auch in meinem Umfeld vermitteln.

Als Heilpraktiker? Da ist Ihre Zukunft ja unsicher.

Stimmt, ich habe die Ausbildung in zwei Jahren abgeschlossen. Herr Spahn hat aber einen Eilantrag gestellt, um unseren Berufsstand abzuschaffen. Ich lerne trotzdem weiter, weil ich der festen Überzeugung bin, dass medizinisches Wissen — speziell Alternativmedizin — enorm wichtig ist. Ich mache es vor allem für meine Familie und darum, auch hier in die Selbstverantwortung zu gehen. Ich bin Anhänger der Ernährungslehre von Dr. Max Otto Bruker aus Lahnstein, der für gesunde Vollwertkost, wertvolle menschliche Beziehungen und viel Bewegung steht. Als Zen-Schülerin geht es mir um Authentizität in allen Lebensbereichen.

Tragen Sie Maske?

Nein. Grundsätzlich nicht. Und das ohne Attest. Ich möchte meine Ärztin schützen. Außerdem gilt immer noch das Recht der Glaubhaftmachung, wenn man die Maske aus sonstigen Gründen nicht tragen kann.

Hatten Sie dadurch schon Probleme?

Ich wurde im Supermarkt an der Kasse angeschrien — weil ich ohne Maske eingekauft habe. Vor meinen Kindern! Ich habe die Dame dann höflich und mit Respekt mit ihrem Verhalten konfrontiert! Habe ihr die Coronaverordnung auswendig vorgetragen. Dann war sie ruhig und offensichtlich peinlich berührt.

Auf die Frage, ob sie vielleicht sonst noch was zu ihrem Verhalten mir gegenüber „in aller Öffentlichkeit“ sagen wolle, schaute auch sie nur noch zu Boden. Immerhin hat sie mich vor den Kindern und vor etwa zehn mir völlig fremden Menschen angebrüllt. In die Stadt zum Bummeln gehe ich schon lange nicht mehr. Die meisten Menschen sind entweder verängstigt durch die wirklich gestörte Angstpolitik oder schon so im Denunziantentum gefangen, dass man diese freie Zeit lieber im Wald und der Natur verbringt.

Beim Schweigemarsch am 10. Oktober war aber Maskenpflicht. Hat Sie das nicht gestört?

Nein. Ich stehe zu 100 Prozent hinter diesem Konzept.

Es ging ja auch darum, die Auflagen mal komplett zu übertreiben und zu veranschaulichen, wo wir eigentlich momentan hinsteuern. Sogar die Polizei hat gesagt, wir müssen ja nicht übertreiben. Oh doch! Heute übertreiben wir! Mit Zollstöcken und Schutzanzügen wurden die Reihen penibel aufgestellt. Darum habe ich auch den Schweigemarsch am 22. November in Stuttgart organisiert.

Das mache ich mit einer lieben Freundin zusammen, weil das von Menschen und nicht von Organisationen durchgeführt werden soll. Ich wurde als Organisatorin bereits auch von Journalisten kontaktiert. Wir haben ein klares Konzept, zu dem wir stehen und für das ich dann auch gerne eine Maske aufziehe. Natürlich eine ohne Atemwiderstand. Wir wollen ja gesund bleiben!
Näheres dazu unter der-schweigemarsch.de.

Eine Abschlussfrage an die Zen-Schülerin: Glauben Sie, dass wir die derzeitige Zerstörung des Rechtsstaates aufhalten können?

Ich habe das Grundvertrauen, dass alles gut ist und wird. Die momentanen Erfahrungen gehören wohl zu dieser spannenden Zeitqualität dazu. Alle Menschen, die ich in letzter Zeit kennenlerne, bleiben dran. Keiner, und ich meine keiner (!), von diesen liebgewonnenen Menschen wird diese neue Normalität jemals akzeptieren. Wie sagte ein bekannter Virologe vor kurzer Zeit: Wir wollen keine genveränderten Lebensmittel, keine genveränderten Tiere, sollen uns jetzt aber genverändernde Spritzen injizieren, Nebenwirkungen unbekannt, Produkthaftung des Herstellers ausgeschlossen, um wieder an unsere Grundrechte zu kommen? Und das unter Zwang mit Androhung von Bußgeld? Ein klares Nein. Wo leben wir denn? Ich dachte, im Jahre 2020 in Deutschland? Unfassbar!

Bis wir unsere Grundrechte wiederbekommen, gehen wir auf die Straße. Das „neue“ Grundgesetz ist menschenverachtend — also machen wir weiter. Die Bewegung ist weltweit — auf jedem Kontinent stehen die Menschen auf. Auch wenn die Mainstreammedien nicht davon berichten, viele sind mittlerweile auf dem Weg der Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Grenze ist bei vielen überschritten! Zu Recht! Das Fass ist übervoll. Diese Welle der Revolution für Freiheit, Wahrheit und Liebe ist nicht mehr zu stoppen. Es werden täglich immer mehr, die ihrem Bauchgefühl vertrauen und sich aufrichten. Weiter so! Das Neue ist schon da, und das Alte macht bekanntlich viel Krach beim Gehen.

Ich hoffe, dass Sie recht behalten!

Noch ein Schlusssatz an die Regierung:

Es ist mein Leben, mein Körper und meine Gesundheit — Hände weg von unseren Kindern!



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