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Wenn Entscheidung zur Qual wird

Ein Artikel von Dirk Meisinger

Zunehmend deutlicher ist für mich ein Prozess erkennbar, des Sich-Nicht-Mehr-Entscheiden-Könnens, des Erstarrens zwischen Fassungslosigkeit und hilfloser Unsicherheit, der immer mehr an Fahrt gewinnt und gravierendere Folgen hat. Diese Tendenz zeigt sich mir in vielen persönlichen Gesprächen und Diskussionen mit Menschen in den sozialen Medien. Unverkennbar ziehen sich Risse durch bislang intakte, harmonische Familien sowie Freundes- und Bekanntenkreise.

Woher dies rührt, ist ebenso unverkennbar.

In Zeiten der Reizüberflutung, zu vieler, zu umfangreicher und zu komplizierter, oftmals sich widersprechender Nachrichten fühlen sich immer mehr Menschen überanstrengt, ihrer Energie beraubt, gestresst, unter Druck gesetzt und unfrei. – Die Gedanken kreisen immer schneller, kommen ins Rotieren, wirbeln und geraten schließlich durcheinander, greifen nicht mehr ineinander. Nichts läuft mehr synchron. Heftige Kopfschmerzen bis hin zur Migräne sind untrügliche Anzeichen dafür. Die Gefühle machen „Bocksprünge“, fahren Achterbahn. Teilnahms- und Hoffnungslosigkeit, Angst und Panik greifen um sich und brechen sich Bahn.

Erschöpfung, Kraft- und Energielosigkeit bis hin zu Depressionen, sogar Aggressionen sind die Folge.

Verbale Informationen werden nicht mehr an- und aufgenommen. Tageszeitungen nicht mehr gelesen und abbestellt. Nachrichtensendungen in den sogenannten „Qualitätsmedien“ nicht mehr angeschaut. – Es greift offenbar ein Schutzmechanismus, um den körperlichen und seelischen Kollaps zu verhindern.

In diesem Ausnahmezustand wird die Bewältigung des Alltags zur Herausforderung. Neue Blockaden und Barrieren zwischen den Menschen kommen erschwerend hinzu. Was darf wem und in welchen Situationen noch gesagt werden? – Wem kann man noch vertrauen?

Es bleiben die große Sehnsucht und das starke Verlangen danach, dem Körper Ruhe zu gönnen, den Geist wieder frei zu bekommen und die Seele „baumeln“ zu lassen.

In dieser Situation Entscheidungen zu treffen, fällt immer schwerer und überfordert die Betroffenen. Sich vermeintlich unter Druck entscheiden zu müssen, löst sogar Abwehrreaktionen und Verweigerung aus.

Entscheidungen werden als unangenehm, hochgradig belastend und quälend empfunden.

Die Freiheit, Entscheidungen treffen zu können, verkehrt sich mitunter ins Gegenteil.

Der Zugang zur Entscheidungsfindung wird gesperrt. Es wird umgeschaltet auf das „Notprogramm“, über das instinktive Prozesse, wie Kampf und Flucht gesteuert werden.

Ein Paradoxon, denn Entscheidungen treffen zu können, ist doch die schönste und höchste Form der Freiheit.

  • Wer keine Entscheidungen treffen darf, ist unfrei und muss sich fügen.
  • Wer keine Entscheidung von sich aus treffen kann, ist den Entscheidungen anderer ausgeliefert.
  • Wer keine Entscheidungen aus eigenem Antrieb treffen möchte, verzichtet auf die Inanspruchnahme von Freiheiten. Im schlimmsten Fall werden ihm die Entscheidungen von anderen abgenommen.

Tag für Tag sind Entscheidungen zu treffen. Egal, ob es um ganz simple oder komplexe Zusammenhänge geht und egal, an welchem Punkt unseres Lebensweges wir stehen. Stets stehen wir vor Entscheidungen. – Bleibe ich da wo ich bin, gehe ich weiter geradeaus, gehe ich nach rechts, gehe ich nach links, gehe ich nach oben, gehe ich nach unten, gehe ich zurück?

Entscheidungen setzen immer etwas voraus. Ganz gleich, ob sich für Ja oder Nein entschieden oder aus einer Vielzahl von Varianten oder Möglichkeiten gewählt wird.

Entscheidungen bedürfen immer vorausgehender Schritte: Wenn wir Sachverhalte und Dinge genauer beleuchten, näher betrachten und darüber sinnieren, kommen wir irgendwann dazu, den Beschluss zu fassen, eine Entscheidung zu treffen.

Und darin liegt der Schlüssel. Die Entscheidungen selbst sind NICHT die Herausforderung bzw. das Problem.

Das liegt viel tiefer. In den Phasen der Klärung und der Beschlussfassung. In dem Vermögen, Körper und Geist für ein perfektes Zusammenspiel zu synchronisieren. – Wie beim Computer, bei dem Hard- und Software perfekt aufeinander abgestimmt sein und koordiniert werden müssen und nur mit einer Steuerungseinheit als eine Form von künstlicher Intelligenz funktionieren können.

Die Vorgänge sind zumeist komplex. Mit im Spiel sind Argumente und Kriterien. Eigene Erfahrungen und Ratschläge anderer, nicht zuletzt die aus dem Internet gesogenen Informationen und „Weisheiten“ sind meistens in Hülle und Fülle gegeben.

Es mangelt hingegen leider nur zu oft an der eigenen inneren Überzeugung, fähig zu sein, das Richtige für sich zu wählen und zu tun. – Die richtige Entscheidung zu treffen.

Es stellt sich immer dieselbe Frage: Führt mich meine Entscheidung ans Ziel oder eher ins Abseits, auf den richtigen Pfad oder auf den Holzweg, ist der Weg leicht oder schwer, halte ich durch oder mache ich schlapp?

Über den eigenen Schatten zu springen, sich aus der Antriebslosigkeit zu erheben, eigene Zweifel abzuschütteln und sich mutig ein Herz zu fassen fällt manchmal so verdammt schwer.

Dann ist Selbstüberwindung angesagt und es gilt, sich vor Augen zu halten und ins Bewusstsein zu rufen:

  • Es ist der eigene Entschluss, die eigene Freiheit zu begreifen und anzunehmen!
  • Es ist der eigene Entschluss, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten und zu führen!
  • Es ist der eigene Entschluss, Gewissheit über den Sinn des Lebens zu erlangen!
  • Es ist der Sinn des Lebens, zu lernen, zu entdecken und Erfahrungen zu machen!
  • Es ist der Sinn des Lebens, zu leben, zu lieben und geliebt zu werden!

Mut tut gut! – Und Neugier hat noch nie geschadet!

Wenn Mut und Neugier groß genug sind,

-> wenn immer mehr Menschen den Sinn des Lebens erkennen und annehmen,

-> wenn sie sich in Gruppen vor Ort, in der Region, im ganzen Land zusammenfinden,

-> wenn sie Wunderbares mit- und voneinander erfahren und lernen,

-> wenn sie Hilfe zur Selbsthilfe bekommen,

-> wenn sie die Chance und den Raum erhalten, im eigenen ganz individuellen Tempo zu gehen,

-> wenn sie ohne Hemmungen und Furcht vor negativen Folgen ihre eigene Meinung äußern und vertreten können,

-> wenn sie den größten gemeinsamen Nenner Frieden, Freiheit und selbstbestimmtes Leben finden und sich damit identifizieren,

dann werden sich Blockaden lösen und Barrieren fallen,

dann wird sich niemand mehr allein, verlassen, hilflos und ausgeliefert fühlen.

Freie Entscheidungen werden dann wieder das sein, was sie sind: Der schönste und höchste Ausdruck von Freiheit!


Dieses Werk von Herrn Meisinger auf Lehestener Kolumne ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Sichtbare Nennung des Autors und Verlinkung der Quelle. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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